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Glossar · Zusatzversicherung (VVG)Art. 25 Abs. 2 Bst. e KVG

Flex-Spitalversicherung

Auch: Flex-Modell, flexible Spitalversicherung

Kurz erklärt

Eine Flex-Spitalversicherung ist eine Spitalzusatzversicherung, bei der du erst vor jedem Spitaleintritt entscheidest, ob du allgemein, halbprivat oder privat liegen willst. Wählst du eine höhere Abteilung, zahlst du eine vereinbarte Kostenbeteiligung, zum Beispiel 20 % bis höchstens CHF 2'000 für halbprivat. Die Details regeln die AVB jedes Produkts.

Aktualisiert am

Illustration: verschiebbare Trennwand zwischen zwei Spitalzimmertypen in einem ruhigen KorridorSymbolbild, KI-generiert

Das Wichtigste in Kürze

  1. Du legst die Spitalabteilung nicht beim Vertragsabschluss fest, sondern vor jedem Spitalaufenthalt.
  2. Für die halbprivate oder private Abteilung trägst du eine Kostenbeteiligung, deren Höhe im Vertrag steht.
  3. Flex-Produkte sind Zusatzversicherungen nach VVG: Die Kasse darf Gesundheitsfragen stellen und Anträge ablehnen.
  4. Ein Gesetz schreibt Flex-Produkte nicht vor; Leistungen, Selbstbehalte und Fristen bestimmen die AVB.
  5. Die allgemeine Abteilung im Listenspital deckt schon die Grundversicherung (Art. 25 Abs. 2 Bst. e KVG).

Was ist eine Flex-Spitalversicherung?

Eine Flex-Spitalversicherung ist eine Form der Spitalzusatzversicherung. Bei einer klassischen Spitalzusatzversicherung legst du beim Abschluss fest, in welcher Abteilung du im Spital liegen willst, etwa halbprivat. Bei einer Flex-Variante entscheidest du das erst, wenn ein Spitalaufenthalt ansteht. Für die höhere Abteilung zahlst du dann einen vereinbarten Teil der Kosten selbst.

Die Grundidee: Du bezahlst eine tiefere Prämie als für eine feste Halbprivat- oder Privatdeckung und trägst dafür im Ernstfall einen Teil der Mehrkosten. Willst du bei einem kurzen Eingriff in der allgemeinen Abteilung bleiben, zahlst du nichts dazu. Willst du bei einer grösseren Operation halbprivat oder privat liegen, wählst du die höhere Abteilung und übernimmst die Kostenbeteiligung.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Grundversicherung. Die Grundversicherung nach KVG bezahlt im Spital den Aufenthalt nach dem Standard der allgemeinen Abteilung in einem Listenspital. Alles darüber hinaus, also Zweibett- oder Einzelzimmer, freie Arztwahl im Spital und oft die freie Spitalwahl in der ganzen Schweiz, deckt nur eine Zusatzversicherung nach VVG. Flex ist also kein Begriff aus dem Gesetz, sondern ein Produkttyp der Versicherer. Namen und Regeln unterscheiden sich von Kasse zu Kasse.

So funktioniert es

Die Mechanik ist bei Flex-Produkten ähnlich, die Zahlen stehen aber in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) oder Zusatzbedingungen (ZB) deines Produkts:

  • Abteilung wählen: Vor dem Spitaleintritt entscheidest du dich für allgemein, halbprivat oder privat.
  • Kostengutsprache einholen: Bei geplanten Eingriffen verlangen Versicherer oft eine Kostengutsprache für Spital und Abteilung vor dem Eintritt. In den CSS-Zusatzbedingungen für myFlex zum Beispiel werden ohne Kostengutsprache bei Wahlbehandlungen keine Kosten vergütet.
  • Kostenbeteiligung zahlen: Für die höhere Abteilung übernimmst du einen Prozentsatz der Mehrkosten bis zu einer Obergrenze oder einen festen Betrag. Die allgemeine Abteilung ist in der Regel ohne zusätzliche Kostenbeteiligung.
  • Varianten wählen: Manche Produkte, etwa myFlex mit drei Stufen, bieten mehrere Varianten mit unterschiedlicher Prämie und unterschiedlich hoher Kostenbeteiligung an.

Zwei öffentlich abrufbare Beispiele zeigen die Bandbreite. Visana nennt für «Spital Flex» einen Aufpreis von CHF 2'000 für die halbprivate und CHF 4'000 für die private Abteilung; bei «Spital Flex Plus» 20 % der Kosten, höchstens CHF 2'000 halbprivat, und 35 %, höchstens CHF 4'000 privat. Die CSS-Zusatzbedingungen für myFlex nennen je nach Stufe und Variante für die halbprivate Abteilung zum Beispiel 40 % bis CHF 8'000 oder 20 % bis CHF 2'000 pro Kalenderjahr. Diese Angaben stammen von den Versicherern und können sich ändern; massgebend sind immer deine Police und die aktuellen AVB.

Rechtliche Grundlage

Für Flex-Spitalversicherungen gibt es keine gesetzliche Regel zu Abteilungswahl oder Höhe der Kostenbeteiligung. Diese Punkte legen die AVB des Versicherers fest.

Den rechtlichen Rahmen bilden mehrere Gesetze. Art. 25 Abs. 2 Bst. e KVG bestimmt, dass die Grundversicherung den Aufenthalt im Spital nach dem Standard der allgemeinen Abteilung übernimmt. Nach Art. 2 Abs. 2 KVAG dürfen Krankenkassen daneben Zusatzversicherungen anbieten, die dem Versicherungsvertragsgesetz unterstehen. Das VVG regelt den Vertrag: Art. 35a Abs. 1 VVG erlaubt die ordentliche Kündigung auf Ende des dritten oder jedes folgenden Jahres mit drei Monaten Frist, und nach Art. 35a Abs. 4 VVG steht dieses Kündigungsrecht in der Krankenzusatzversicherung nur dir zu, nicht der Kasse. Die Tarife und AVB der Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung muss der Versicherer der FINMA vorlegen (Art. 4 Abs. 2 Bst. r VAG); diese prüft die Tarife auf Solvenz und Schutz vor Missbrauch (Art. 38 VAG).

Beispiel: gleicher Eingriff, zwei Flex-Varianten

Daniel ist 48 Jahre alt und hat eine Flex-Spitalversicherung. Für eine geplante Operation wählt er die halbprivate Abteilung. Die Kostenbeteiligungen stammen aus den CSS-Zusatzbedingungen für myFlex (Variante 1, Stufen «Economy» und «Balance»). Die Mehrkosten der halbprivaten Abteilung sind ein angenommener Betrag, weil sie von Spital und Eingriff abhängen und nicht öffentlich publiziert werden.

PostenStufe «Economy»Stufe «Balance»
Kostenbeteiligung halbprivat laut ZB40 %, höchstens CHF 8'000 pro Jahr20 %, höchstens CHF 2'000 pro Jahr
Mehrkosten halbprivat über der Grundversicherung (angenommen)CHF 10'000CHF 10'000
Daniels AnteilCHF 4'000CHF 2'000
Anteil der ZusatzversicherungCHF 6'000CHF 8'000

Ob sich die günstigere Stufe lohnt, hängt von der Prämiendifferenz ab. Diese Prämien sind nicht amtlich publiziert; du erfährst sie aus der Offerte der Kasse.

Was bedeutet das für dich?

Eine Flex-Spitalversicherung passt, wenn du im Spital Wahlfreiheit willst, aber nicht für jeden Aufenthalt die volle Halbprivat-Prämie bezahlen möchtest. Prüfe vor dem Abschluss:

  1. Wie hoch ist deine maximale Kostenbeteiligung? Rechne für halbprivat und privat aus, was dich ein Aufenthalt im schlechtesten Fall kostet, pro Aufenthalt oder pro Jahr.
  2. Welche Spitäler sind gedeckt? Prüfe in den AVB, ob das Produkt alle Spitäler der Schweiz deckt oder nur bestimmte, etwa Spitäler mit Vertrag.
  3. Welche Fristen gelten? Lies Karenzfristen, etwa für Mutterschaft, und die Mindestdauer des Vertrags in den AVB.
  4. Wie steht es um deine Gesundheit? Wer Vorerkrankungen hat, bekommt eine Zusatzversicherung nicht immer oder nur mit Vorbehalt. Kündige eine bestehende Spitalversicherung erst, wenn die neue schriftlich zugesagt ist.

Leistungen der Spitalzusatzversicherungen vergleichst du im Zusatzversicherungs-Vergleich. Die Kassen, die solche Produkte anbieten, findest du unter Krankenkassen, etwa im Steckbrief der CSS oder der Visana. Für die Grundversicherung, die du unabhängig davon bei jeder Kasse abschliessen kannst, hilft der Prämienrechner.

Häufige Fehler

  • Flex mit Grundversicherung verwechseln. Die Abteilungswahl gibt es nur in der Zusatzversicherung; die Grundversicherung deckt die allgemeine Abteilung.
  • Die Kostengutsprache vergessen. Ohne Gutsprache vor einem geplanten Eintritt kann die Zusatzversicherung die Leistung verweigern.
  • Nur die Prämie vergleichen. Entscheidend ist die Summe aus Jahresprämie und möglicher Kostenbeteiligung bei einem Aufenthalt.
  • Die Gesundheitsfragen unvollständig beantworten. Eine verletzte Anzeigepflicht erlaubt der Kasse die Kündigung und kann Leistungen kosten.
  • Die alte Deckung zu früh kündigen. Ein Wechsel in der Zusatzversicherung ist nur mit neuer Gesundheitsprüfung möglich.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Flex-Spitalversicherung?

Das hängt davon ab, wie oft du einen Spitalaufenthalt erwartest und wie viel du im Ernstfall selbst tragen kannst. Die Versicherer begründen Flex mit einer tieferen Prämie als bei einer festen Halbprivat-Deckung; dafür zahlst du bei jedem Aufenthalt in der höheren Abteilung mit. Vergleiche Prämie und maximale Kostenbeteiligung pro Jahr.

Kann ich die Abteilung noch im Spital ändern?

Das regeln die AVB. In den CSS-Zusatzbedingungen für myFlex zum Beispiel wählst du vor Antritt der stationären Behandlung, und bei geplanten Eingriffen muss die Kostengutsprache für Spital und Abteilung spätestens beim Eintritt vorliegen.

Gilt die Kostenbeteiligung pro Aufenthalt oder pro Jahr?

Je nach Produkt. Bei myFlex der CSS ist sie als jährliche Kostenbeteiligung pro Kalenderjahr festgelegt. Andere Produkte rechnen pro Aufenthalt; massgebend sind immer deine Police und die AVB.

Brauche ich für eine Flex-Spitalversicherung eine Gesundheitsprüfung?

In der Regel ja. Als Zusatzversicherung nach VVG darf die Kasse Gesundheitsfragen stellen, Vorbehalte anbringen oder den Antrag ablehnen. Falsche Antworten können später zur Kündigung und zum Verlust von Leistungen führen.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG), Art. 25Art. 25 Abs. 2 Bst. e KVGfedlex.admin.ch
  2. Bundesgesetz betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (KVAG), Art. 2Art. 2 Abs. 2 KVAGfedlex.admin.ch
  3. Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG), Art. 35aArt. 35a VVGfedlex.admin.ch
  4. Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), Art. 4Art. 4 Abs. 2 Bst. r VAGfedlex.admin.ch
  5. CSS, Zusatzbedingungen Spitalversicherung myFlex (Ausgabe 01.2009)css.ch
  6. Visana, Spital Flex (Produktseite)visana.ch
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