Das Wichtigste in Kürze
- santésuisse und curafutura waren die zwei Verbände der Krankenversicherer; seit dem 06.01.2025 übernimmt prio.swiss ihre politische Interessenvertretung.
- prio.swiss vereinte zum Start 10 Krankenversicherer mit rund 90 % der Versicherten in der Grundversicherung.
- Seit Juli 2026 treten alle Gesellschaften der santésuisse-Gruppe, darunter SASIS AG und die ehemalige tarifsuisse ag, als santéservices mit Sitz in Solothurn auf.
- Die Branchenvereinbarung von santésuisse und curafutura vom 22.03.2024 begrenzt die Vermittlerentschädigung in der Grundversicherung auf CHF 70 pro Person; der Bundesrat hat sie allgemeinverbindlich erklärt.
Was ist santésuisse?
santésuisse ist ein Name, dem du im Schweizer Gesundheitswesen oft begegnest: in Medienberichten über Prämien, auf Tarifverträgen, bei Statistiken zu Gesundheitskosten oder bei der Ausbildung von Krankenkassen-Fachleuten. Lange Zeit war santésuisse der Branchenverband der Schweizer Krankenversicherer. Er vertrat die Kassen gegenüber Politik, Behörden und Leistungserbringern, verhandelte Tarife und betrieb über Tochtergesellschaften wichtige Systeme der Branche.
Neben santésuisse gab es einen zweiten Verband, curafutura. Die Kassen waren damit auf zwei Verbände aufgeteilt, die oft unterschiedliche Positionen vertraten. Das hat sich geändert: Seit dem 06.01.2025 gibt es den gemeinsamen Verband prio.swiss mit Sitz in Bern. Er übernimmt die politische Interessenvertretung der Branche und ist für die Verhandlung, Pflege und Weiterentwicklung der Tarifstrukturen der Grundversicherung zuständig. Zum Start vereinte prio.swiss 10 Krankenversicherer, die rund 90 % der Versicherten in der Grundversicherung vertreten.
santésuisse ist damit nicht verschwunden. Nach Angaben von prio.swiss arbeitet santésuisse als Dienstleistungsunternehmen für die Branche weiter, mit Fokus auf Bildung und Services. Seit Juli 2026 treten alle Gesellschaften der bisherigen santésuisse-Gruppe unter dem gemeinsamen Namen santéservices auf. Dazu gehören laut santéservices die SASIS AG, die SVK, die ehemalige tarifsuisse ag und santésuisse selbst. Der Hauptsitz ist in Solothurn.
Für dich als versicherte Person ist santésuisse keine Anlaufstelle. Der Verband schliesst keine Versicherungen ab und entscheidet nicht über deine Leistungen. Das tut immer deine Kasse.
So funktioniert es
Die Arbeit der santésuisse-Gruppe lässt sich heute in vier Bereiche gliedern, wie santéservices sie selbst beschreibt:
- Branchensysteme: Register und elektronische Lösungen, die alle Kassen nutzen. Dazu gehören das Register der Leistungserbringer (ZSR), über das Arztpraxen und Therapeutinnen eine Abrechnungsnummer erhalten, und das VeKa-Center für die Versichertenkarte.
- Tarife und Leistungen: Einkauf von Leistungen bei Spitälern und anderen Leistungserbringern im Auftrag von Kassen sowie Leistungsmanagement, etwa die Prüfung der Wirtschaftlichkeit.
- Spezialleistungen: Abwicklung aufwendiger Leistungsbereiche für die Kassen, etwa Dialysen, künstliche Ernährung oder Transplantationen.
- Bildung: Grundbildung und höhere Berufsbildung für Mitarbeitende von Krankenversicherern, bis zur Berufsprüfung.
Diese Dienste sind für dich meist unsichtbar. Du begegnest ihnen zum Beispiel in der ZSR-Nummer auf einer Arztrechnung oder bei der Versichertenkarte.
Rechtliche Grundlage
santésuisse und prio.swiss sind private Vereine beziehungsweise Gesellschaften. Es gibt kein Gesetz, das sie einsetzt. Das KVG und das Aufsichtsrecht geben Verbänden der Versicherer aber wichtige Aufgaben:
- Tarifverträge: Nach Art. 46 Abs. 1 KVG können Parteien eines Tarifvertrags auf der Seite der Kassen einzelne Versicherer oder deren Verbände sein. Ist ein Verband Vertragspartei, gilt der Vertrag für ein Mitglied nur, wenn es beigetreten ist (Art. 46 Abs. 2 KVG).
- Branchenvereinbarung: Art. 19b KVAG erlaubt den Kassen, eine Vereinbarung über Telefonwerbung, Call-Center, Kaltakquise, Ausbildung und Entschädigung der Vermittler sowie Beratungsprotokolle zu schliessen. Vertreten die beteiligten Kassen mindestens 66 % der Versicherten, kann der Bundesrat Teile davon allgemeinverbindlich erklären.
- Allgemeinverbindlichkeit: Das hat der Bundesrat getan. Art. 35b KVAV erklärt die Regeln der Branchenvereinbarung zwischen santésuisse und curafutura vom 22.03.2024 zur Qualität der Beratung und zur Entschädigung der Vermittler für sämtliche Versicherer als verbindlich. Anhang 2 KVAV enthält den Wortlaut.
Beispiel: die Obergrenze für Vermittler
Die Branchenvereinbarung von santésuisse und curafutura wirkt bis heute direkt auf den Markt. Ein Beispiel: Sofia, 28, wechselt auf den 01.01.2027 die Grundversicherung und lässt sich dabei von einem Versicherungsvermittler beraten.
| Regel aus Anhang 2 KVAV | Was das für Sofia bedeutet |
|---|---|
| Variable Entschädigung für die Grundversicherung höchstens CHF 70 pro versicherte Person | Die neue Kasse darf dem Vermittler für Sofias Abschluss höchstens CHF 70 variable Entschädigung zahlen. |
| Die Regeln gelten für sämtliche Versicherer | Die Grenze gilt bei jeder Kasse, auch bei Kassen, die nie Mitglied eines Verbands waren. |
Was bedeutet das für dich?
- Richtige Anlaufstelle wählen. Fragen zu deiner Versicherung, zu Rechnungen oder Leistungen klärst du mit deiner Kasse. Bei Streit hilft die Ombudsstelle Krankenversicherung, nicht santésuisse oder prio.swiss.
- Aussagen einordnen. Äussern sich santésuisse, santéservices oder prio.swiss zu Prämien oder Kosten, sprechen sie für die Kassen. Das ist eine Interessenposition, keine amtliche Zahl. Amtliche Prämien veröffentlicht das BAG; du findest sie im Prämienrechner.
- Kassen selbst vergleichen. Welche Kasse zu welchem Verband gehört, ändert nichts an den gesetzlichen Leistungen. Vergleiche Prämien, Modelle und Service; die Steckbriefe findest du unter Krankenkassen.
- Unerwünschte Anrufe melden. Die Branchenvereinbarung verbietet telefonische Kaltakquise. Erhältst du trotzdem Werbeanrufe, notiere Datum, Nummer und Firma.
Willst du auf das nächste Jahr wechseln, findest du Fristen und Ablauf unter Wechseln.
Häufige Fehler
- santésuisse für eine Behörde halten. santésuisse ist ein privater Verband der Kassen, keine Aufsicht. Die Aufsicht über die Grundversicherung hat das BAG.
- Glauben, santésuisse gebe es nicht mehr. Die politische Rolle hat prio.swiss übernommen, die Dienstleistungen laufen weiter, seit Juli 2026 unter dem Namen santéservices.
- Verbandszahlen als amtliche Zahlen lesen. Zahlen von Verbänden haben eine Quelle, die du prüfen solltest.
Welche Quellen wir verwenden, erklären wir unter So rechnen wir.
Häufige Fragen
Was ist santésuisse?
santésuisse war der Branchenverband der Schweizer Krankenversicherer. Seit 2025 vertritt prio.swiss die Branche politisch; die santésuisse-Gruppe bietet den Kassen seither Dienstleistungen an, etwa Register, Statistiken, Tarifarbeit und Ausbildung, und heisst seit Juli 2026 santéservices.
Was ist der Unterschied zwischen santésuisse, curafutura und prio.swiss?
santésuisse und curafutura waren zwei konkurrierende Verbände der Krankenversicherer. prio.swiss ist der gemeinsame Nachfolgeverband seit dem 06.01.2025. curafutura existiert in der alten Form nicht mehr, santésuisse arbeitet als Dienstleisterin weiter.
Kann ich mich bei santésuisse über meine Krankenkasse beschweren?
santésuisse ist keine Beschwerdestelle für Versicherte. Bei Streit mit deiner Kasse wendest du dich zuerst an die Kasse und danach an die Ombudsstelle Krankenversicherung.
Verwandte Begriffe
- curafuturacurafutura war einer von zwei Branchenverbänden der Schweizer Krankenversicherer, neben santésuisse. Am 18.12.2024 wurde der Verein in prio.swiss umbenannt, der seit 01.01.2025 als gemeinsamer Verband praktisch alle Versicherten vertritt. Verträge von curafutura, etwa zum Arzttarif TARDOC und zur Vermittlerentschädigung, gelten über prio.swiss weiter.
- prio.swissprio.swiss ist der Branchenverband der Schweizer Krankenversicherer. Er hat am 06.01.2025 seine Tätigkeit aufgenommen und löst die bisherigen Verbände santésuisse und curafutura als politische Stimme der Kassen ab. prio.swiss verhandelt Tarifstrukturen, vertritt die Kassen gegenüber Behörden und trägt die Branchenvereinbarung gegen Kaltakquise am Telefon mit.
- BranchenvereinbarungDie Branchenvereinbarung ist ein Regelwerk der Krankenversicherer für Versicherungsvermittler. Seit 01.09.2024 gilt sie für alle Kassen: Telefonische Kaltakquise ist verboten, jede Beratung braucht ein Protokoll, und die Provision ist begrenzt, in der Grundversicherung auf CHF 70 pro Person, in der Zusatzversicherung auf 16 Monatsprämien pro Abschluss.
- KrankenversichererEin Krankenversicherer ist ein Unternehmen, das mit Bewilligung des BAG die Grundversicherung nach KVG durchführt, umgangssprachlich die Krankenkasse. Per 01.01.2026 waren es 34 Versicherer. Sie müssen jede versicherungspflichtige Person aufnehmen, dürfen mit der Grundversicherung keinen Gewinn erzielen und bieten daneben oft Zusatzversicherungen nach VVG an.
Quellen
- Verordnung über die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (KVAV), Art. 35b und Anhang 2Art. 35b KVAVfedlex.admin.ch
- Krankenversicherungsaufsichtsgesetz (KVAG), Art. 19bArt. 19b KVAGfedlex.admin.ch
- Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG), Art. 46Art. 46 KVGfedlex.admin.ch
- prio.swiss: Der neue Branchenverband der Krankenversicherer ist gestartetprio.swiss
- santéservices: Über unssanteservices.ch
